Gewalt

Wir streben eine Gesellschaft an, in der Gewalt keinen Platz hat. Denn Gewalt ist scheiße. Die
wenigsten Menschen wenden gerne Gewalt an und wer sich gerne prügelt, soll das einvernehmlich
im Ring tun. Leider leben wir noch nicht in einer Gesellschaft in der Gewalt keinen Platz hat. Offensichtliche
körperliche Gewalt durch Bullen, Faschos und andere unangenehme Zeitgenoss*innen schlägt uns
auf der einen Seite entgegen. Auf der anderen Seite übt der Staat tagtäglich strukturelle Gewalt aus.
Durch Abschiebungen, durch das Hartz-4-System, durch die militärische und „diplomatische“
Außenpolitik.


Wie aber stehen die Libertären H-Burg zu Gewalt, die abstrakte Form von struktureller Gewalt
einmal beiseitegelassen?
Gewalt, egal ob gegen Lebewesen oder gegen Sachen, zum Selbstzweck lehnen wir ab. Zwar
glauben wir nicht, dass der*die medial vielbeschworene „Krawalltourist*in“ oder der*die
„erlebnisorientierte Jugendliche“ im politischen Kontext von gesellschaftlicher Relevanz ist.
Dennoch halten wir hier fest: Gewalt gegen Lebewesen ist scheiße und das letzte Mittel. Fakt ist
aber auch: Wir wollen die Welt und die Gesellschaft radikal verändern, wir wollen eine Revolution
in der die Macht des Kapitals gebrochen wird und alle Menschen ihre Freiheit gewinnen.
Es wäre schön, wenn sich diese Revolution gewaltfrei durchführen ließe. Das halten wir aber für
unwahrscheinlich. Denn der Staat und das Kapital haben Polizei und Armee auf Ihrer Seite und die
Geschichte zeigt, dass sie beide Institutionen einsetzen um ihre Macht zu halten.
Angenommen es käme zum Generalstreik und die Produktionsstätten würden besetzt, um
Arbeiter*innen und Lohnabhängigen die Kontrolle über die Produktionsmittel zu sichern: Die
Kapitalist*innen, also die Eigentümer*innen der Produktionsmittel, würden sich an den Staat
wenden um sie zurück zu bekommen. Der Staat würde sein „Gewaltmonopol“ einsetzen, um die
Kapitalist*innen zu schützen, den nur so kann sich dieses künstliche Staatskonstrukt selbst am
Leben erhalten.
Wir müssen deshalb in der Lage sein, uns und unsere Politik zu verteidigen. Demonstrationen
werden häufig von der Polizei angegriffen; sich dann zu verteidigen, erachten wir als legitim.
Nazis, Rassist*innen und Faschist*innen schrecken auch vor äußerster Gewalt nicht zurück; sich
gegen sie zu verteidigen, auch mit Gewalt, ist überlebensnotwendig.
Die bis jetzt besprochenen Arten von Gewalt betrafen alle die Notwehr oder die Verteidigung von
Strukturen. Auch klandestin vorbereitete oder offensiv vorgetragene Gewalttaten können legitim
sein, wenn sie zweckgebunden sind. Ob einzelne Aktionen sinnvoll oder eben zweckgebunden sind,
können wir aus der Ferne meist nicht beurteilen. Auch wenn einzelne Gruppenmitglieder sich sicher
Meinungen zu bestimmten Aktion bilden, werden wir als Gruppe uns nicht zu solchen Aktionen
äußern oder gar davon distanzieren.
Letztendlich wurde zu diesem Thema, wie auch schon zu den meisten anderen politischen Themen
schon alles gesagt und geschrieben. Wir schließen diesen Text deshalb mit einem Zitat des
italienischen Anarchisten Errico Malatesta (1853-1932):
„Selbst wenn wir die Lehre der Geschichte außer Betracht lassen, (die zeigt, daß niemals eine
privilegierte Klasse von selbst auf alle oder auf einige ihrer Privilegien verzichtete, und daß
niemals eine Regierung ihre Macht abtrat, wenn sie nicht durch Gewalt oder die Furcht vor Gewalt
dazu gezwungen wurde), gibt es genug zeitgenössisches Beweismaterial, um jeden davon zu
überzeugen, daß die Bourgeoisie und die Regierungen die Absicht hegen, bewaffnete Gewalt zu
ihrer Verteidigung einzusetzen, nicht nur gegen die Gefahr vollkommener Enteignung, sondern
schon gegen die geringsten Forderungen der Massen, […].
Für jene, die sich zu befreien wünschen, ist nur ein weg offen: Sie müssen der Gewalt mit Gewalt
begegnen.“ (Aus: Ein anarchistisches Programm, 1920)