Vorbereitung auf den Aufstand

Vorbereitung auf den Aufstand Spontanität oder Planung, Überraschungs- oder Warnungseffekt

Selbst wenn der unmittelbare Anlaß des Aufstands allgemein einsichtig und sehr klar ist, so dürfte doch nur in den seltensten Fällen den Teilnehmern an einer Protestaktion auch der ursächliche Zusammenhang dieses einzelnen Mißstandes mit dem gesamten Herrschaftssystem und die Rechtfertigung der Herrschenden für diese Mißstände deutlich sein. Die nicht aus Sachkenntnis, sondern allein aus der Stimmung der Unzufriedenheit entsprungenen spontanen Forderungen tendieren gewöhnlich zu Übertreibungen und Einseitigkeiten und vergessen über der Abstellung von Mißständen die gesetzliche und institutionelle Absicherung der neuen Positionen.

Dies gilt insbesondere für Protestaktionen, die sich gegen die Verfehlungen bestimmter Personen richten, die unter Umständen von den Herrschenden preisgegeben werden, um das Herrschaftssystem als ganzes unangetastet bewahren und in Zukunft nur um so schärfer gegen Aufstandsversuche absichern zu können. Besitzen die ersten spontanen Aufständischen jedoch diese Einsicht, kann es leicht geschehen, daß die Masse der Bevölkerung ihre Analyse der Lage und die sich daraus ergebenden Forderungen nicht versteht und daher sich den spontanen Aktionen nicht anschließt.

Für die Vorbereitung eines gewaltfreien Aufstands ergeben sich aus diesen hier nur angedeuteten Nachteilen spontaner Aktionen drei Forderungen. Erstens muß der Eröffnung der Kampagne eine Untersuchung der Mißstände und ihrer Hintergründe vorausgehen, zweitens müssen die Kräfteverhältnisse abgeschätzt und danach die Ziele der Kampagne abgesteckt werden, und drittens muß die öffentliche Meinung über die Ergebnisse der Untersuchung informiert und die potentiellen Aufständischen für die Ziele der Kampagne mobilisiert werden.

Nachzulesen in: Ebert, Theodor: Gewaltfreier Aufstand. Alternative zum Bürgerkrieg. 3. Auflage. Waldkirch: Waldkircher Verlagsgesellschaft, 1981, S. 109,